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Hinschauen statt Wegschauen - Prävention gegenüber sexueller Gewalt

Es ist ein trauriges Kapitel: sexuelle Gewalt gegen Kinder und Schutzbefohlene. Leider hat auch unsere Kirche dabei Schuld auf sich geladen. Die Vergangenheit gibt davon Zeugnis. Mit Scham schauen wir darauf zurück. Es darf nicht sein, dass solches Unrecht geschieht – erst recht nicht innerhalb der Kirche, innerhalb des Raumes, der in allen Bereichen des Lebens Schutz bieten soll. Das stellt sich quer zum Evangelium, ist mit der guten Botschaft Gottes in keiner Weise vereinbar.

In der evangelischen Kirche will man deutschlandweit zukünftig einen sensiblen Weg gehen. Kinder und Schutzbefohlene sollen geschützt und gestärkt werden. Die Bedingungen in den Gemeinden sollen so verändert werden, dass jeder Missbrauch nach Möglichkeit verhindert wird. Dazu gehört es, die Risiken in den Strukturen der Gemeinden zu kennen, Kinder und Schutzbefohlene zu stärken, die Mitarbeiterschaft in Fragen von sexueller Gewalt zu sensibilisieren und Strukturen zu schaffen, die nicht nur mehr Sicherheit bieten, sondern auch im Fall des Falles eine sofortige Reaktion ermöglichen.

Wie alle Gliedkirchen der Evangelischen Kirche Deutschlands hat auch die Lippische Landeskirche ein Gesetz zum Schutz vor sexualisierter Gewalt verabschiedet. Zur Zeit sind wir in der Landeskirche und in den Gemeinden auf dem Weg der Umsetzung. Einige Schritte auf diesem Weg sind wir als evangelisch – reformierte Kirchengemeinde Elbrinxen-Falkenhagen bereits gegangen: Es wird von den Mitarbeitenden (auch von der Pfarrerschaft) regelmäßig ein erweitertes Führungszeugnis angefordert, es gibt eine Selbstverpflichtung der Mitarbeitenden und der Kirchenvorstand hat Nadine Gerstung als Ansprechpartnerin in Fragen sexueller Gewalt bestellt.

Das im vorigen Jahr erlassene Gesetz der Landeskirche geht deutlich weiter. Es fordert von allen Gemeinden unserer Landeskirche ein intensives Mitgehen und Mitdenken. Zunächst sind aus jeder Gemeinde Pilotgruppen zu einer Fortbildung entsandt worden. Die Pilotgruppe unserer Gemeinde hat die zweiteilige Schulung im November 2021 und Januar 2022 bereits durchlaufen. Nun folgt die zweite Phase: Kirchengemeinden, insbesondere die Kirchenvorstände und Mitarbeitenden in der Kinder- und Jugendarbeit, haben sich mit einem Schutz- und Notfallkonzept zu beschäftigen und alle Mitarbeitenden in der Kirchengemeinde in Fragen sexueller Gewalt zu sensibilisieren. Dieses Konzept muss der Landeskirche bis zum 31.3.2024 vorliegen.

Wir sind also auf dem Weg und nehmen diese Aufgabe sehr ernst. Es ist ein Verbrechen, sich an Kindern zu vergehen und damit Kinderseelen zu zerstören. Es ist nicht hinnehmbar, dass es immer wieder und an ganz vielen Orten weiterhin geschieht. Erst recht ist es in der Kirche nicht hinnehmbar. Und es ist schrecklich, dass betroffene Kinder oftmals bis zu sieben Anläufen bei Erwachsenen brauchen, um endlich gehört zu werden, damit ihnen in ihrer Situation geholfen wird. Deshalb machen wir uns an die uns (selbst) gestellten Aufgaben. Deshalb wollen wir uns weiter sensibilisieren und miteinander an diesem Konzept arbeiten, es umsetzen und es weiterhin laufend aktualisieren.

Dietmar Leweke



Autor: leweke -- 15.02.2022; 09:21:57 Uhr

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